Beziehung · 25. Oktober 2026 · 7 Min Lesezeit
Kämpfen oder loslassen? Woran du erkennst, ob sich eure Beziehung noch lohnt
Krise oder schon das Ende? Echte Warnsignale, typische Stolperfallen, Paartherapie und Beziehungspause: Was ich heute im SAT.1 Frühstücksfernsehen dazu gesagt habe, und die eine Frage, die du dir zuerst stellen solltest.
Sonja Ruess
Sexologin · Mentorin
KI-generiert
Heute Morgen war ich im SAT.1 Frühstücksfernsehen zu Gast. Wir haben darüber gesprochen, wann sich eine Beziehung noch retten lässt und wann sie zu Ende ist: Welche Warnsignale zählen wirklich, wie findet ihr wieder zueinander, und woran merkst du, dass es nicht mehr geht?
Ich verstehe, warum dabei so oft das Wort „kämpfen“ fällt. Es fühlt sich ja auch an wie ein Kampf, wenn man seit Monaten gegen dieselbe Wand redet. In einer guten Beziehung steht ihr dabei auf derselben Seite. Und manchmal ist das Mutigste, was du tun kannst, ehrlich hinzuschauen, ob dieses Gemeinsame noch da ist.
📺 Verpasst? Den Talk aus dem SAT.1 Frühstücksfernsehen kannst du bei Joyn nachschauen.
Krise oder Ende? Darauf achte ich
Viele Krisen entzünden sich an Kleinigkeiten. Wer räumt die Spülmaschine aus, wessen Kram liegt schon wieder im Flur? Solche Reibereien sammeln sich an, bis irgendwann ein Funke reicht. Das ist anstrengend, und gleichzeitig lässt sich daran gut arbeiten.
Ernster wird es, wenn sich Gleichgültigkeit oder Herablassung einschleichen. Das zeigt sich zum Beispiel an einem genervten Blick zur Decke, sobald der andere spricht. Oder an kleinen Fallen: Du lässt etwas absichtlich liegen, nur um zu sehen, ob er sich darum kümmert, und fühlst dich bestätigt, wenn er es nicht tut.
Wer innerlich schon Beweise gegen den eigenen Partner sammelt, sollte jetzt genau hinschauen.
Und was ist mit der Lust?
Im Studio ging es auch darum, ob eine Flaute im Bett schon das Aus ankündigt. Für mich ist sie kein Zeichen dafür, dass eure Beziehung zu Ende geht.
Lust verändert sich im Lauf einer Partnerschaft. In der Verliebtheit passiert vieles fast von allein, später teilt sie sich den Platz mit Arbeit, Familie und Verpflichtungen. Wer dauerhaft unter Druck steht, dessen Körper schaltet eher auf Funktionieren als auf Genießen. Wer von euch beiden gerade weniger Lust spürt, braucht dann Entspannung und Geborgenheit, damit sie zurückkommen kann.
Die Frage, mit der alles anfängt
Bevor du über Bleiben oder Gehen nachdenkst, stell dir eine einzige Frage:
Habe ich jemals klar ausgesprochen, was mir fehlt?
Und zwar so, dass dein Partner es wirklich verstehen konnte, in einem ruhigen Moment und mit klaren Worten.
In meiner Praxis erlebe ich jede Woche Menschen, die innerlich schon halb gegangen sind und ihrem Partner nie gesagt haben, worum es eigentlich geht. Wenn das bei dir so ist, dann ist jetzt der Moment zu reden.
Wann sich Kämpfen lohnt
Diese Zeichen sprechen dafür, dass ihr in einer Krise steckt und dass es sich lohnt, dranzubleiben:
- Ihr streitet noch. Wer streitet, dem ist es nicht egal. Da ist noch Energie zwischen euch.
- Du sehnst dich nach Nähe zu genau diesem Menschen. Deine Sehnsucht gilt deinem Partner.
- Es tut weh. Dieser Schmerz zeigt, dass die Verbindung noch lebt.
- Ihr habt das Wichtige nie ausgesprochen. Dann habt ihr eure beste Chance noch gar nicht genutzt.
- Ihr seid beide bereit, auf euch selbst zu schauen und nicht nur auf das, was der andere falsch macht.
Fast jede Beziehung kommt irgendwann an den Punkt, den ich in meinem Buch „Absäbeln oder behalten?“ nenne. Die Unterschiede werden deutlicher, die Macken nerven, die Lust ist unterschiedlich verteilt. Das fühlt sich an wie das Ende. Oft ist es der Anfang von etwas Bewussterem.
Diese Stolperfallen machen es schlimmer
Wenn es ohnehin schon kriselt, gibt es ein paar Dinge, die ich dir dringend ans Herz lege zu lassen:
- Im Freundeskreis über den Partner spotten. Abfällige Kommentare über sein Aussehen oder sein Gewicht fallen allen auf und untergraben das Vertrauen, selbst wenn er nie davon erfährt.
- Marotten öffentlich machen. Jeder Mensch hat seine kleinen Eigenarten. Wer andere darauf hinweist, stellt den Partner bloß.
- Die Beziehung öffnen, um sie zu retten. Ich verstehe den Wunsch, frischen Wind von außen zu holen. In einer Krise halte ich das trotzdem für einen großen Fehler, weil die bestehenden Konflikte dadurch eher wachsen. Zuerst braucht eure Partnerschaft wieder einen stabilen Boden.
Wenn einer will und der andere dichtmacht
Selten erleben zwei Menschen dieselbe Krise gleich. Oft möchte einer etwas verändern, während der andere sich zurückzieht.
Hier hilft ein Blick auf das Ganze: Ihr bildet zusammen ein Gefüge. Bewegt sich ein Teil, muss sich auch der andere neu sortieren. Deshalb kannst du auch allein viel anstoßen. Frag dich, wie der Partner handeln würde, den du dir wünschst, und fang an, selbst so zu handeln.
Was aber, wenn du auf deinen Partner zugehst und gar nichts mehr zurückkommt? Das ist bitter. Auch ich rate Paaren in meiner Praxis manchmal zur Trennung. Dann, wenn sich lange nichts bewegt, obwohl einer wirklich alles hineingegeben hat und mit sich im Reinen ist. Und wenn die Beziehung mehr Kraft raubt, als sie zurückgibt.
Wann Loslassen hilft
Loslassen kann der richtige Weg sein, wenn:
- Gleichgültigkeit eingezogen ist. Es ist dir egal geworden, was dein Partner denkt, fühlt oder tut.
- Einer innerlich schon gegangen ist und nichts mehr investiert, nicht einmal mehr Ärger.
- Ihr es beide ehrlich versucht habt. Ihr habt geredet, euch Zeit genommen, vielleicht Unterstützung geholt, und es bewegt sich trotzdem nichts.
- Verachtung im Raum steht. Augenrollen, Spott, abfällige Bemerkungen vor anderen.
- Du dich nach gemeinsamer Zeit dauerhaft erschöpft fühlst.
Dann darf eine Trennung eine Form von Respekt sein, dir selbst und dem anderen gegenüber. Scheitern ist für mich nur eins: gar nicht hinzuschauen.
Wichtig: Wenn in deiner Beziehung Angst, Kontrolle oder Gewalt eine Rolle spielen, geht es nicht ums Dranbleiben. Dann hol dir bitte Hilfe, zum Beispiel beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016, kostenlos, anonym und rund um die Uhr.
Paartherapie und Beziehungspause: Was bringt das?
Paartherapie. Eine Erfolgsgarantie kann dir niemand seriös versprechen, jedes Paar bringt seine eigene Geschichte mit. Den Unterschied macht die Bereitschaft. Sitzt einer nur im Termin, um den anderen zu beruhigen, kommt wenig in Bewegung. Wollt ihr beide etwas verändern, kann Begleitung von außen viel öffnen.
Beziehungspause. Manchen Paaren hat eine Auszeit tatsächlich gutgetan, eine feste Regel gibt es dafür nicht. Hör in dieser Zeit ehrlich in dich hinein: Fehlt dir dein Partner? Oder ertappst du dich dabei, dich nach anderen umzusehen? Beides ist eine wichtige Antwort.
Wenn ihr eine Pause macht, vereinbart sie mit einem Enddatum, klaren Regeln und einem festen Termin, an dem ihr wieder zusammenkommt. Eine Pause ohne Ende fühlt sich für den Wartenden an wie in der Luft hängen.
Bleibst du aus Liebe oder aus Angst?
Viele bleiben, weil sie Angst vor dem Alleinsein haben. Oder wegen der Kinder, des gemeinsamen Kredits oder der Sorge vor dem Gerede im Umfeld.
Hinzu kommt, wie wir gebaut sind: Unser Kopf hält am Vertrauten fest. Alles Neue bedeutet Aufwand und Unsicherheit, also bleiben wir lieber im Bekannten, selbst wenn es uns nicht guttut.
Ein kleiner Test für den nächsten Morgen: Sieh deinen Partner beim Aufwachen an und frag dich, ob du dir diesen Anblick auch in vielen Jahren noch wünschst. Spürst du ein klares Ja, habt ihr ein starkes Fundament, und den Rest könnt ihr gemeinsam angehen. Zieht sich in dir eher alles zusammen, ist auch das eine Antwort.
Wenn ihr kämpft, dann richtig
Für eure Beziehung zu kämpfen heißt vor allem, euch wieder bewusst füreinander zu entscheiden. Zwei Dinge, die ich euch ans Herz lege:
Macht regelmäßige Beziehungs-Check-ins. Ein fester Termin, zum Beispiel einmal im Monat, an dem ihr euch fragt: Wie geht es uns gerade? Was läuft gut? Was fehlt dir? So wird aus dem großen, beängstigenden Gespräch eine Gewohnheit.
Legt die Fakten auf den Tisch, im Date-Format. Verabredet euch bewusst, in Ruhe, ohne Handy, vielleicht sogar außer Haus. Und dann sprecht über das, was ist, statt über das, was ihr vermutet. Ein guter erster Satz: „Ich vermisse uns. Ich will dir nichts vorwerfen. Ich möchte verstehen, wie es dir gerade mit uns geht.“
Lernt euch immer wieder neu kennen
Zum Schluss das, was mir am meisten am Herzen liegt: Der Mensch, in den du dich verliebt hast, bleibt nicht derselbe. Du bleibst es auch nicht. Jahre, Erfahrungen und Krisen formen euch beide.
Die Liebe der ersten Monate lässt sich nicht konservieren. Ihr könnt aber neugierig bleiben, die Entwicklung des anderen miterleben und dabei immer wieder Neues entdecken, in das ihr euch verliebt.
Und ob du bleibst oder gehst: Triff die Entscheidung bewusst und mit offenen Augen, auch wenn das Gespräch davor unbequem ist.
Du willst lernen, wie ihr wieder ins Gespräch kommt? Mehr Kommunikations-Tipps gibt es in meinem kostenlosen Paar-Live-Workshop „Der Elefant in eurem Bett“ am Donnerstag, 29.10., um 19:00 Uhr. Zu zweit auf dem Sofa oder allein, die Plätze sind begrenzt.
Weiterlesen: Trennung vermeiden: Du hast einen Elefanten im Bett? Geh es jetzt an, bevor es zu spät ist
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob sich eine Beziehung noch lohnt?
Sie lohnt sich meistens noch, wenn ihr noch streitet, du dich nach Nähe zu genau diesem Menschen sehnst und ihr das Wichtige noch nie wirklich ausgesprochen habt. Schwierig wird es, wenn Gleichgültigkeit oder Verachtung eingezogen sind oder einer innerlich schon gegangen ist.
Ist wenig Sex ein Zeichen, dass die Beziehung am Ende ist?
Eine Flaute im Bett allein kündigt für mich kein Beziehungsende an. Lust verändert sich über die Jahre, und unter Dauerstress fällt es dem Körper schwer, sich darauf einzulassen. Aussagekräftiger sind Gleichgültigkeit und Herablassung.
Hilft es, die Beziehung zu öffnen, wenn es kriselt?
Als Rettungsversuch rate ich davon ab. Wenn die Basis gerade wackelt, verstärken sich die bestehenden Konflikte dadurch eher.
Wie erfolgreich ist eine Paartherapie?
Eine seriöse Quote gibt es nicht, jedes Paar ist anders. Am meisten hängt davon ab, ob beide wirklich etwas verändern möchten.
Ist eine Trennung ein Scheitern?
Wenn ihr es beide ehrlich versucht habt und es trotzdem nicht geht, darf eine Trennung eine Form von Respekt sein. Schwieriger ist es, jahrelang nebeneinanderher zu leben, ohne hinzuschauen.
Kann einer allein eine Beziehung retten?
Einer kann den ersten Schritt machen und seinen eigenen Teil der Dynamik verändern. Weil ihr ein Gefüge seid, hat das oft mehr Wirkung, als man denkt. Auf Dauer braucht Liebe aber zwei, die sich dafür entscheiden.
Wie spreche ich das Thema an, ohne dass es eskaliert?
Such dir einen ruhigen Moment, nicht im Streit und nicht im Bett. Sprich von dir („Ich vermisse uns“) statt über den anderen („Du machst nie“). Und dann hör zu, ohne dich sofort zu verteidigen.
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Über die Autorin
Sonja Ruess
Sexologin (ABS), Beziehungs-Mentorin, SPIEGEL-Bestseller-Autorin. Sonja schreibt über Beziehung, Sexualität und Selbstwahrnehmung — Klartext aus ihrer Praxis in Ravensburg.
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